Das alles ist homophob!

Homophobie hat sehr unterschiedliche Erscheinungsformen. Allgemein gibt es offene und konkret gegen Personen gerichtete Diskriminierung und wenig sichtbare, versteckte Formen der strukturellen oder institutionalisierten Homophobie.

Im Folgenden werden einige Dimensionen und Beispiele homophober Vorfälle im Fußball dargestellt.


Ungleichbehandlung und Ausschluss

Eucharia Uche, ehemalige Nationaltrainerin von Nigeria: „Die Lesben in unserer Mannschaft waren wirklich ein großes Problem. Aber seit ich Trainerin bin, hat sich das erledigt. Homosexualität ist eine dreckige Sache.“


Vorurteile

Jens Lehmann nach dem Coming-out des Ex-DFB-Spielers Thomas Hitzlsperger: Thomas ist „ein Spieler, der sehr intelligent ist und von seiner Spielweise überhaupt nicht den Anlass gegeben hätte, dass man hätte denken können, da ist irgendetwas“. Und weiter: „Ich weiß nicht, was ich gedacht hätte, wenn ich mit jemandem zusammengespielt hätte, den ich tagtäglich gesehen hätte: beim Duschen, in Zweikämpfen.“


Homophobe Fan-Gesänge

Gesänge wie „Schwuler XY“ oder „Alle XY sind schwul“.


Alltagssprache und Beschimpfungen

Ein mieser Pass ist ein „schwuler Pass“, „Steh auf, Schwuchtel!“, „Der spielt wie ein Woama!“, ein schlechter Schiri ist eine „Schwule Sau“ … Schwul gilt als Synonym für alles, was schlecht ist.

„Memme!“, „Weichei!“, „Du spielst wie ein Mädchen“, „Warmduscher!“, oder einfach: „Du Frau!“ bringen zum Ausdruck, dass Nicht-Männliches (also Frauen und Schwule) im Fußball nichts verloren hat.

Fußballerinnen müssen sich anhören: „Schenkel wie ein Mann“, „Das ist ’ne Frau?“, „Frauen spielen nicht Fußball!“, „Mannweib!“, „Kampflesbe!“.


Symbole und Transparente

Ein Aufkleber, der zwei verhasste gegnerische Teams als schwules Paar darstellt und durchstreicht.


Witze und Rituale

In der Umkleidekabine: Wer bei einem schwulenfeindlichen Witz nicht mitlacht, gerät unter Beschuss.
Gewalttätige und latent homophobe Initiationsrituale als Symbol der Degradierung und Erniedrigung (z. B. das „Pastern“).


Herunterspielen von Homophobie als „Diskriminierung zweiter Klasse“

Der deutsche Torhüter Roman Weidenfeller wurde sechs Wochen gesperrt, weil er Gerald Asamoah als „schwarzes Schwein“ beschimpft haben soll. Um die Strafe zu mildern, sagte er, dass er Asamoah „nur“ als „schwules Schwein“ beschimpft hätte – daraufhin wurde das Strafmaß auf drei Spiele verringert.


Strukturelle Unterrepräsentation und Ausgrenzung

Wie andere sogenannte Minderheiten sind LGBTs in öffentlichen Funktionen wenig repräsentiert.
Das liegt nicht nur am systematischen Ausschluss, sondern auch daran, dass es vielen immer noch besser scheint, sich nicht zu outen.


Ignoranz

Gesetze und Richtlinien gegen Diskriminierung erwähnen Homophobie selten explizit.
Deshalb wird Homophobie als „Diskriminierung zweiter Klasse“ oft nicht ernst genommen. „Das alles ist homophob!“

Auf der Einladung zur Weihnachtsfeier für ein Männerfußballteam heißt es: „Eintritt auch für Ehefrauen gratis“. Fälschlicherweise wird davon ausgegangen, dass alle heterosexuell sind. Im Rampenlicht stehende männliche Spieler haben Schein-Freundinnen, um dem „Druck zur Heterosexualität“ standzuhalten.


Physische Gewalt

Im März 2014 stachen mutmaßliche Rechtsextremisten in Schweden einen Fan des Malmö FF und Aktivisten des Netzwerks „Fußballfans gegen Homophobie“ nieder. Zuvor wurde gegen die „Homokampagnen“ der Malmö-Fans gehetzt.


Mobbing und Bullying

Insbesondere im Jugendbereich sind Menschen, die nicht den klassischen Geschlechterstereotypen entsprechen, Repressalien ausgesetzt.


Tabuisierung

„Lesben? Schwule? Bei uns nicht!“; „Homophobie? Damit haben wir kein Problem, es gibt ja keine Homosexuellen hier!“ – Das Verleugnen von LGBTs und ihrer Diskriminierung führt zu einer Tabuisierung von Homophobie.



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